OSTERN – Sündiges Fleisch: lebendig oder tot?

Früher gab’s auch bei mir am Karfreitag Fisch statt Fleisch. Fisch, da ich schon lange aufgehört hatte, Fleisch zu essen. Eine Freundin und ihr Mann schafften es bei jedem gemeinsamen Essen, mich darauf anzusprechen, warum ich noch Fisch esse, das sei doch inkonsequent. Sie selber assen Fisch und Fleisch und waren demnach viel konsequenter als ich.
Ich war damals noch nicht bereit, Fische als empfindsame Lebewesen zu erkennen und hätte es auch nicht für möglich gehalten, sogar vegan zu leben. Tief in meinem Innersten wusste ich es aber und antwortete: Es kommt der Tag, an dem auch der Fisch von meinem Teller verschwindet. Tot gemacht war ja auch der. Wenn auch nicht im Schlachthaus, neben dem ich aufgewachsen bin.

Ich hab’s zwar nicht so mit der Religion, aber auch ich weiss: Eigentlich wird an Ostern das Leben, die Auferstehung gefeiert. Warum dazu tote Tiere gegessen werden sollten, ist mir unverständlich. Klar, das Opferlamm soll uns symbolisch von unseren Sünden befreien, so wie Jesus in der Passionsgeschichte für uns Menschen am Kreuz gestorben ist. Aber irgendwie scheint mir der ganze Fleischwahn an Ostern auf einem Missverständnis zu beruhen: Müssen Christen wirklich Lamm essen, um ihre Liebe zu Gott zu bezeugen??? Das ist doch genauso abwegig wie das Beten von drei Gegrüsset seist du Maria und fünf Vaterunser, um sich per Absolution von einer Sünde zu befreien.

Eine 8-jährige Schülerin hat gesagt: „Das ist nicht so schlimm, wenn ich etwas nicht gut mache. Der liebe Gott wird schon dafür sorgen, dass es wieder in Ordnung kommt.“ Es mag schön und wichtig für das Seelenheil eines Kindes sein, wenn es sich nicht sorgen muss und gut behütet aufwächst. Falls dieses Mädchen jemals zu mir in die Klasse kommen sollte, wird das Wort Verantwortung etwas vom Ersten sein, was es von mir hören wird. Verantwortung für das eigene Tun. Und diese Verantwortung trägt jeder Mensch selbst. Sorry. Der liebe Gott muss draussen warten. Sei das beim Lernen im Klassenzimmer oder beim Töten von Tieren.

Ich wollte und konnte die Verantwortung, dass Tiere sterben müssen, damit ich sie in Stücken auf meinem Teller wiederfinde, nicht länger tragen. Eigentlich finde ich, dass das eh kein Mensch wirklich kann. Darum wird die Drecksarbeit, also das Töten von 70 Millionen fühlenden Lebewesen pro Jahr allein in der Schweiz (weltweit 70 Milliarden pro Jahr!) delegiert an Andere, die anonym bleiben.

Die Frage mit den Fischen war mir eigentlich ja eh schon klar. Ich habe es halt verdrängt wie die meisten das mit dem Fleisch auch tun. Was aber an Milchprodukten und Eiern schlimm sein soll, ist nochmal eine ganz andere Geschichte. Was die Milch betrifft, hat mir ein harmloser und völlig unblutiger 2-minütiger Film aufgezeigt.

Vor ziemlich genau 6 Jahren beschloss ich also von einem Tag auf den anderen, vegan leben zu wollen. Ja, wollen. Nicht können. Es ist einzig eine Frage des Willens.

Und: ja, es gibt ein Leben nach dem Fleisch. Und es gibt auch ein Leben nach dem Fisch. Und: ja, es schmeckt sündhaft gut, ist voller köstlicher Wunder und ungeahnter und unendlicher Kreativität.

Ist euch schon mal aufgefallen, dass bloggende Veganerinnen sündhaft gut aussehen?

Nein, Veganer essen nicht nur Steine und Gras 😆

 

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