WAS MICH GRAD SEHR BESCHÄFTIGT…

Ich muss nicht allen gefallen. 

Ich kann es nicht allen recht machen. 

Ich will einfach mir selber treu sein.

Gut, der letzte Eintrag https://hastdubistdu.wordpress.com/2014/06/16/euch-wird-das-lachen-noch-vergehn/
war ein Rundumschlag meiner persönlichen Ansicht. Ich habe dafür Kritik entgegen genommen von Menschen, die mir sehr nahe stehen und mir sehr am Herzen liegen.
Einige Beispiele:
„Am Anfang hat mir dein Blog besser gefallen.“
„Es wird/wirkt jetzt so esoterisch.“
„Du hast den Tunnelblick.“
„Dein Text ist belehrend.“
„Du radikalisierst dich.“

Mit Ausnahme des ersten Satzes, der das persönliche Empfinden der Person darstellt, sind es Interpretationen oder Unterstellungen.

Ich hab zuerst reagiert so in der Art: Na gut, jetzt hab ich’s vielleicht übertrieben. Wahrscheinlich hab ich den Sinn für die Realität verloren und drifte aus der echten Welt ab. Ich hab mich sogar schuldig gefühlt, den Menschen, die ich liebe, das Lesen solcher Beiträge zuzumuten.
Gerade als ich mich so ziemlich beschissen fühlte und nahe dran war, den Beitrag zu entfernen, kam ne Mail rein von einer Freundin mit der Rückmeldung: „Dein letzter Eintrag ist super! Wenn ich noch mehr lese, dann werde ich wohl bald kein Fleisch mehr kaufen können, nicht mal für meine Familie.“

Was ist schlecht oder falsch daran, andere zum Nachdenken, allenfalls Umdenken und entsprechender Anpassung des Handelns zu bringen? Ein Handeln, das grundsätzlich weniger Leid verursacht.

Die „Täter-Opfer“-Optik wird gerne zum eigenen Vorteil angepasst: Wenn in diesem konkreten Fall eine Veganerin Missstände aufzeigt, die mit anderem Konsum-Verhalten reduziert oder aufgehoben werden könnten, fühlen sich Fleischesser als Opfer. Die Täter greifen hier die Gewohnheiten der Fleischesser an oder stellen sie zumindest in Frage.

Ich wurde nicht als Veganerin geboren. Ich war 35 Jahre Vegetarierin und konnte mir im Leben nicht vorstellen, auf Milchprodukte zu verzichten. Ich hatte sogar das gleiche Argument wie die Fleischesser: „Es schmeckt mir so gut!“
Vor etwa 3 Monaten hat mich ein gewaltloser, unblutiger kleiner Film aufgerüttelt. Seither versuche ich, vegan zu leben. Das bedeutet nicht, dass ich mit Fleischessern oder Vegetariern nicht befreundet sein kann. Ich weiss selber, wie schwierig es ist, die innere Ordnung zu durchbrechen. Als es aber mal „klick“ gemacht hat, war die äussere Anpassung durch entsprechendes Handeln leicht, weil ich dann gar nicht mehr mit dem „Ego“ denken konnte, sondern nur noch mit Mitgefühl. Das Angebot und die Möglichkeiten sind riesig. Und es macht Spass!

Ich hab meine eigene Fehlbarkeit beleuchtet und sogar meine Meinung hinterfragt. Ich dachte wieder mal „na ja, vielleicht liege ich wirklich falsch…“
Ich habe noch drei weitere mir liebe Menschen gebeten, den letzten Eintrag kritisch zu lesen und mir eine ehrliche Rückmeldung zu geben, wie der Text rüberkommt.

2 Antworten: (von 2 Fleischesserinnen – die Antwort eines fast-Vegetariers ist noch ausstehend)

„Uff… Wenn ich ehrlich bin, ist es besserwisserisch, in dem Sinn, dass wir dies alles wissen – wir wissen (auch nicht alle), dass du mit allem Recht hast! Ich denke, jeder muss dies für sich selber entscheiden, daher ist dein Blog ein Angriff auf das Ego der Leute. Aber es rüttelt auf. Und das finde ich hingegen genial.“

„Ich finde es weder belehrend noch arrogant noch esoterisch, sondern einfach deine Meinung. Und wenn man nur ein wenig Mitgefühl hat, geht es einem zu Herzen! Alles ändern ist vielleicht für viele schwierig, doch es regt zum Überlegen an und zum Handeln, so gut es jedem Einzelnen möglich ist. Evtl. erscheint es Leuten, die ein Tier als minderwertiges Geschöpf betrachten, überheblich, das kann sein.“

Das ist gut. Ich möchte an dieser Stelle allen nochmals danken für die Kritik, die positive und die negative. Sie hilft mir letztlich, meine Argumente und Anliegen noch deutlicher zum Ausdruck zu bringen. Ich setze mich für Tierrechte und Tierbefreiung ein. Und ja: da bin ich ziemlich kompromisslos.

Ich muss nicht allen gefallen.
Ich kann es nicht allen recht machen.
Ich will einfach mir selber treu sein.

Und ich will gar nicht, dass du dasselbe denkst wie ich.

Ich würde  mir nur wünschen, DASS du SELBER denkst.

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Die 10 Gebote der Erde / Earths ten commandments

Text: Ernest Callenbach / Artist: David Lance Goines / 1990

Vor über 20 Jahren habe ich dieses Poster in den USA gekauft. Es hängt jetzt an der Wand in der Gästetoilette. Die 10 Gebote der Erde haben nichts an ihrer Gültigkeit verloren. Sie haben aber zweifellos an Dringlichkeit zugenommen!

Der Autor des Textes sagt dazu:

„The Earth is not in trouble: we’re in trouble. The Earth is going to do just fine, thanks. Species come and go, regardless, though we may be the first to exterminate ourselves and everything else, too. Couple of hundred thousand-what the heck, maybe a million-years go by and it’s as though we never existed. Bubble in the river of time. Buying a list of swell things you can do to save the Earth is like buying a diet book instead of going on a diet.

It’s the illusion of action. Gives you that warm and fuzzy feeling of having done the right thing when in fact you’ve done nothing at all. We may be able to do something about the problems we’re facing, but first we have to figure out what those problems are. Doing something about the wrong problem will only create new, and much worse, problems for somebody else to fix somewhere down the line. So, let’s put on our thinking caps and stop pretending.“ Ernest Callenbach

Auf der Suche nach Werten

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Heute habe ich einen Beitrag in der Zeitschrift BILDUNG SCHWEIZ gelesen. Es ging um Werte und Strömungen im Zusammenhang mit dem neuen Lehrplan 21. Seit einiger Zeit wird Kritik laut an Letzterem. Ich möchte nun nicht ausschliesslich für pädagogisch Interessierte und somit nicht darüber schreiben, an welchen streitbaren Werten sich der neue Lehrplan orientiert.

Vielmehr interessiert mich die innere Haltung. Wie entsteht sie? Was empfinden wir als normal und was als krank?

Gesellschaftliche Werte verändern sich, wenn auch langsam, so doch stetig. Veränderung und Wandel sind das einzig Verlässliche im Leben und auch danach…

ALLES VERÄNDERBARE IST KRITISIERBAR, sagt Rahel Jaeggi in ihrem Referat zum Thema LEBENSFORMEN: NICHT JEDER DARF, WIE ER WILL. Nachzuhören auf SRF2 http://www.srf.ch/player/radio/popupaudioplayer?id=e1685007-b234-4cb3-a790-1c0023c00603

Was sind meine Werte, was ist meine innere Haltung zur Welt und zum Leben? Was ist Glück? Etwas, wofür es sich zu kämpfen lohnt?
Ich setze mich für Tiere ein, für Tierrechte, Tierbefreiung. Ich bin der Meinung, dass der Mensch nicht das Recht hat, andere Lebewesen auszubeuten, nur weil er es KANN. Tiere sind empfindsame Wesen, die Stress, Schmerz und Angst erleben. Was gibt uns zum Beispiel das Recht, sie zu unserer Gaumenfreude zu töten? Es schmeckt! Ja bitte, ist das wirklich alles?? Ist es legitim, ein Tier seiner Freiheit zu berauben, es einzupferchen, ihm seine natürlichen Bewegungen zu verunmöglichen, es im eigenen Dreck stehen zu lassen, männliche Tiere nach dem Schlüpfen oder Geborenwerden zu töten, nur weil sie als männliche Tiere überflüssig für die „Fleisch- oder Eierproduktion“ sind?? Wie krank ist das denn?
Ich lebe seit 35 Jahren vegetarisch. Ich bin neben einem Schlachthof aufgewachsen.
Seit 2 Monaten versuche ich, vegan zu leben. Ein unspektakulärer und völlig unblutiger Film, in dem zu sehen ist, wie ein Kalb von seiner Mutter getrennt wird, hat den Anlass für diese Entscheidung gegeben.
Bin ich deshalb ein langweiliger Mensch? Ich finde nicht: Daneben bin ich allem zugetan, was das Leben so an Freuden bietet, wenn es anderen nicht schadet. Ich lache gerne und viel, trinke Wein und Bier – auch mal ein Glas zu viel – und freue mich über Kleinigkeiten und die Natur.
Der Herzens-Wunsch und das dringende Ziel, die Welt ein klein wenig von Leid zu befreien, ist für mich auch ein Wert, für den ich gerne lebe.
Es ist ein gutes Gefühl, mit dem eigenen Handeln zu einer leidfreieren Welt beizutragen. Allein dafür lohnt es sich zu leben!

https://hastdubistdu.wordpress.com/2014/06/13/fleisch-essen-teil-1-ist-es-normal/

Um die innere Ordnung, die Denkmuster, die Gewohnheiten, das scheinbar „Normale“, zu durchbrechen, muss man wohl jedoch etwas unter die Oberfläche, etwas tiefer graben… und das kann durchaus anstrengend und unbequem sein, und es könnte sogar bedeuten, dass ich am eigenen Leben etwas verändern sollte (und könnte!), wie Jürgen Brühlmann in seinem Beitrag in BILDUNG SCHWEIZ 4-2014 schön und treffend sagt.

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(T-Shirt: WWF-online Shop)