Hast du eine Haltung oder bist du haltlos?

„Du musst wieder mal über etwas anderes schreiben.“

Mein liebster Leser und Kritiker meinte zu meinem letzten Beitrag, es gehe „wie immer“ um die Frage, warum die Tiere nicht auch ein Lebensrecht haben. Dabei ging es mir doch in dem Beitrag eigentlich um die Weihnachtsbotschaft, also um die Liebe und die Vergebung. Tatsache ist halt, dass eh täglich, aber eben auch an Weihnachten, Millionen Tiere ihr Leben lassen müssen, damit Menschen das Fest des Friedens und der Liebe feiern können, so wie sie es „gut“ finden.

Es gebe doch so viele andere spannende und sinnvolle Themen, über die ich AUCH mal schreiben könnte. Stimmt. Heute schreibe ich, passend zum Neujahr, über Haltung. Nein, nicht über Tierhaltung in der Massenproduktion.

Ich schreibe über Haltung statt Vorsätze. Weil ich mir sicher bin, dass eine bewusste innere Haltung unweigerlich zu mehr konkreten Taten führt als ein Vorsatz.

In meiner Berufsverband-Zeitschrift „schulpraxis 3/2014“ erläutert Urs Gfeller (Dozent am Institut für Weiterbildung der PH Bern) sein Verständnis von innerer Haltung: „Mit unserer Haltung drücken wir aus, was uns im Leben Halt gibt.“

Ich schliesse daraus, dass haltlos ist, wer keine Haltung hat. Mir kommt auch dieser Satz (Autor/in ist mir leider nicht bekannt) in den Sinn:

„Wenn du keine eigene Meinung hast, kannst du dir an jedem Kiosk eine kaufen.“

Sehr schön formuliert hat es auch Marie von Ebner-Eschenbach:

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Ich stelle mir zum Jahresanfang eine Frage, die ich als sinnvoll und spannend erachte:

Was ist meine Haltung zur aktuellen Lage der Welt und den wirklich globalen Problemen?

Die Frage ist also nicht, welches Modelabel ist grad in oder welche Musik ist angesagt. Es heisst auch nicht, wo gibt es die billigsten und zartesten Rinderfilets oder die günstigsten Schuhe.

Die Fragen könnten lauten: Wie viele Paar Schuhe brauche ich? Welche Marken will ich berücksichtigen bei meinem Kauf, welche meiden? Ich mag zum Beispiel die Textilien von COOP Naturaline. Warum? Sie sind aus biologischem Anbau, fairem Handel und neuerdings sogar rückverfolgbar.

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Welche Musiker übermitteln Botschaften, die mir sympathisch sind?

Zum Beispiel „Berge“: https://m.youtube.com/watch?v=IS_mantk3tA

Muss ich Fleisch essen oder habe ich die freie Wahl, es bewusst zu lassen, weil ich mir die Kalorien und Nährwerte lieber direkt zuführe als über abgeholztes Regenwald-Tierfutter-Soja aus Brasilien, das dann als „Schweizer Fleisch“ verkauft wird? Oder weil ich ganz einfach nicht will, dass für meine Gaumefreude empfindungsfähige Lebewesen getötet werden?

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Sorry, jetzt bin ich wieder beim Tierschutz angelangt. Oder beim Thema Lebensrecht für alle Tiere.

Urs Gfeller sagt: “ Ich glaube, dass unser Leben darauf angelegt ist, dass wir unser Potenzial entfalten können. (…) Aufgrund sinnvoller Erfahrungen kann sich eine Haltung ändern. (…) Sie ändert sich jedoch nur, wenn das Ganze Sinn macht. Wer den Sinn nicht einsieht, kämpft bewusst oder unbewusst gegen das Anstehende. (…) Wenn ich die Haltung habe, dass diese oder jene Reform schlecht ist, dann hat sie wenig Chancen. Besser ist es, mit einer gewissen Offenheit der Neuerung entgegen zu schauen: Was lerne ich hier Neues? Wie entwickle ich mich dabei weiter? (…) “

Für mich war im Jahr 2014 eine sinnvolle Erfahrung, dass es problemlos möglich ist, sich vegan zu ernähren, ohne Einbusse an Genuss oder Vielfältigkeit. Im Gegenteil: Ich finde Kochen jetzt noch spannender und probiere leidenschaftlich gerne neue Rezepte aus. Knüller waren unter vielen anderen Leckereien das vegane Rührei, die Mango-Schoko-Torte oder das Tiramisu. Bei allem haben mein Liebster und sämtliche (nicht veganen) Gäste kaum glauben können, dass darin keine tierlichen Produkte enthalten sind.

Ungefähr gleichzeitig mit dem Start dieses Blogs im April 2014 habe ich begonnen, mich mehr und mehr vegan zu ernähren. Dabei wird es auch 2015 bleiben. Dies ist kein Vorsatz. Es ist meine innere Haltung, dass ich möglichst wenig Leid verursachen möchte und dass ich Schaden vermeide, wo ich kann. Ich möchte nicht andere beauftragen, für mich Tiere auszubeuten und zu töten. Dazu muss ich aber keinen Vorsatz fassen.

Diese innere Haltung macht für mich Sinn. Aus ökologischen, gesundheitlichen und ethischen Aspekten. Die entsprechenden Handlungen und das adäquate Verhalten sind automatisiert.

Anderen ist es wichtig, endlich mit dem Rauchen aufzuhören, wieder ins Fitnesscenter zu gehen, die lang ersehnte Indien-Reise zu machen oder die Eltern öfter zu besuchen. Ich hab leider keine mehr, sonst würde ich mir dies vielleicht als Vorsatz fassen.

Individuelle Wünsche und Vorsätze sind zweifellos auch wichtig und haben ihre Berechtigung. Aber nicht ausschliesslich und um jeden Preis.

Ich glaube, dass als Reaktion auf das Mega-Phänomen Individualismus bis zum Exzess eine Mega-Tendenz zum Gemeinsamen wieder an Wichtigkeit gewinnen wird.

Dazu zum Schluss nochmals Urs Gfeller: „Die meisten von uns sind geprägt von einem darwinistischen Weltbild, das auf Konkurrenz basiert. Gefragt ist jedoch meines Erachtens ein holistisches, ganzheitliches Weltbild, das sagt, dass alles miteinander verbunden ist. Nicht allein, sondern gemeinsam gestalten wir unser Leben, die Zukunft dieser Welt. Im Gemeinsamen liegt für mich ein grundlegender Sinn.“

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Was ist deine innere Haltung? Was ist das Handeln, das dieser Haltung Ausdruck verleiht?

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Ohne „……..“ kann ich nicht leben!

Ich bin Präsidentin in einem Stiftungsrat. Wir sind vier Personen, die den Nachlass eines alten Ehepaars für Tiere in Not verwalten. Natürlich ehrenamtlich. Gestern haben wir eine unserer Hauptdestinäre besucht, die wir seit einigen Jahren regelmässig unterstützen, damit sie ihren Tierpark über Wasser halten kann, den sie seit über 30 Jahren betreibt. Es sind Wildtiere aus Zoos, die eingeschläfert werden sollten oder verletzte und gerettete Tiere, die von ihr aufgenommen wurden. Die gute, über 70-jährige Frau hat nebst zwei Emus, Gänsen, Hühnern, Wildkatzen, einem Luchs, Papageien und Meerschweinchen auch etwa 30 Hauskatzen, von denen sie keine einzige fremd platzieren würde, weil sie die „doch nicht aus dem Rudel nehmen kann und weil die an einem andern Ort sterben könnten. Wenn der Zoo stirbt, sterbe ich auch.“ Damit hat sie wahrscheinlich sogar Recht. Es ist ihr Lebenswerk und ihre Identifikation. Das ist sicher auch der Grund, weshalb sie verstorbene Tiere durch neue alte ersetzt. Zum Beispiel das alte Schwein, das sonst geschlachtet würde. Im Anschluss an den Besuch sind wir zusammen essen gegangen, um die Eindrücke etwas zu verarbeiten und das weitere Vorgehen zu besprechen. Die Stiftung sollte und möchte vor allem präventive, konstruktive und nachhaltige Projekte unterstützen. An der nächsten Sitzung müssen wir das weitere Vorgehen definieren. Beim Essen kommen wir nahe liegend aufs Thema Ernährung zu sprechen. Ein Stiftungsrat erwähnt, welche Milch für ihn die beste sei und beim Latte Macchiato den schönsten Schaum hergebe. Ich sage, dass es eine Weile gedauert hat, bis ich die Pflanzenmilch gefunden habe, die mir am besten schmeckt und den besten Schaum hergibt. Alle Anwesenden wissen, dass ich seit vielen Jahren kein Fleisch esse. Aber warum jetzt auch keine Milch mehr?image Ich stelle die Frage, warum eine Kuh Milch gibt. Kurzes Überlegen… Dann: „Weil die Kuh Gras frisst.“ … ??? … Ich war mir fast sicher, dass diese Antwort kommen würde. Die kommt in mindestens 2 von 3 Fällen, wenn ich sie stelle. Genau das ist es: Eine Mehrheit der Menschen in unserer westlichen, „zivilisierten“ Gesellschaft erkennt viele Vorgänge und Zusammenhänge in der Natur nicht mehr, da wir davon entfremdet sind. Wenn ich erwähne, dass eine Kuh nur Milch gibt, wenn sie ein Kalb hat, kommt meist erst ein protestierendes „Aber bei dem Bauern, den ich kenne, stehen Kühe im Stall und die geben einfach Milch…“ Der Veterinär in unserer Runde bestätigt sachlich, dass eine Kuh etwa 9 Monate lang Milch gibt, wenn sie ein Kalb hat. http://alpensepp.com/kaese-wiki/laktationsperiode Ich persönlich bin der Meinung, diese Milch sollte hauptsächlich für ihr Kalb sein. Doch dieses wird mit prozentual sehr geringen Ausnahmen (Mutterkuh- oder Ammenkuhhaltung) innert Stunden oder Tagen nach der Geburt von der Mutter getrennt und steht dann bis zur Schlachtreife zum Beispiel im Iglu, sehr oft in Einzelhaltung. Solche Iglus sehe ich manchmal, wenn ich mit meinem Hund spazieren gehe… :-(( Artgerecht wäre dies – aber so oder so: auch auf dem BIO-Hof wird das Kalb früher oder später von der Mutter getrennt…

CH 2014

CH 2014

http://alpensepp.com/kaese-wiki/laktationsperiode Ich verurteile niemanden dafür, dass er Milchprodukte konsumiert. Selbst habe ich die weit reichenden Zusammenhänge und Konsequenzen der Milchwirtschaft auch erst mit diesem kurzen , unblutigen und gewaltlosen Film erkannt. https://m.youtube.com/watch?v=IzOjqeKdYn8 Danach wollte ich nicht mehr zurück. Wissen kann nicht rückgängig gemacht werden. Innerhalb von wenigen Wochen habe ich von vegetarisch auf vegan umgestellt. Mit diesem Bild möchte ich niemanden provozieren. Wirklich nicht. Aber vielleicht zum Nachdenken anregen… nach dem Motto: ICH WILL GAR NICHT, DASS DU DASSELBE DENKST WIE ICH. ICH WÜNSCHE MIR NUR, DASS DU SELBER DENKST. image Jemand in der gestrigen Runde sagte, es gehe doch vor allem um die WERTSCHÄTZUNG des tierlichen Produktes. Ich meine, es geht auch um die MASSE. Die Wertschätzung ist die Voraussetzung schlechthin, damit du dir überhaupt Gedanken machst, woher was kommt und wenn du erkennst, dass dahinter ein fühlendes Lebewesen mit Angst, Schmerz und Lebensfreude steckt, wirst du deinen Konsum von tierlichen Produkten vielleicht mal reflektieren, möglicherweise reduzieren und im besten Fall einstellen. Oder eben nicht, weil du findest, das ändert eh nichts an der Masse. Ein Stück Zeitungspapier lässt dich noch nicht ans oberste Bücherregal kommen. Wenn du 1000 aufeinander legst, schon… Die Aussage „ohne Käse und Jogurt könnte ich nicht leben“ könnte von mir sein. Noch vor einem Jahr hätte ich dies bestätigt. Und doch:

alles ohne Milchprodukte: Latte Macchiato, Zwetschgen-Streuselkuchen, "Quarktorte"... (Vom Tiramisu hab ich leider kein Foto ;-) und von den Gästen gelobt und nicht bemerkt, dass es "nur" pflanzlich ist... ;-)

Diese leckeren, selbst gemachten Sachen alle OHNE Milchprodukte: Latte Macchiato, Zwetschgen-Streuselkuchen (ist momentan bei uns DER Renner), „Quarktorte“ mit Himbeeren und Mandarineneis…  wurden von den Gästen gelobt und nicht bemerkt, dass es „nur“ pflanzlich ist… Vom Tiramisu hab ich leider kein Foto 😉

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Dies sind nur drei kleine Beispiele. Der Latte Macchiato schmeckt mir übrigens am besten mit dem BIO-Sojadrink vom MIGROS, Nature oder noch besser mit Kalzium angereichert. Nicht wegen dem Kalzium, sondern wegen dem Geschmack. Ach ja, der Geschmack… ein tolles Thema! Da habe ich doch kürzlich festgestellt, dass jemand – oder möglicherweise sogar mehrere Leute aus meinem Arbeitskollegium – sich an meiner Sojadrink-Packung bedient, die im Kühlschrank des Lehrerzimmers steht. Und dies offenbar nicht nur einmal… Ich interpretiere mal: Soja schmeckt einfach nicht… wääh… ehm… also ich probier mal… das muss ja keiner wissen… na, schmeckt ja ganz passabel… Ich ziehe das Experiment jetzt weiter und lasse noch so gern alle, die unerkannt Sojadrink im Kaffee probieren wollen, dies tun, ohne das Risiko einzugehen, sich vor den anderen zu outen, dass es doch ganz gut schmeckt… Wie Albert Einstein schon sagte: ES IST SCHWIERIGER, EINE VORGEFASSTE MEINUNG ZU ZERTRÜMMERN ALS EIN ATOM. – Und der muss es ja wissen.. Mehr sehr Leckeres gibt es von der sehr hübschen und sympathischen Kochbuchautorin Nicole Just im Buch: imageimage Und ganz neu gibt es jetzt auch: LA VEGANISTA backt! Es gibt verschiedene Gründe, sich vegan zu ernähren.  https://www.freitag.de/autoren/felix-werdermann/anti-milch-pro-gesundheit?utm_content=buffer55571&utm_medium=social&utm_source=facebook.com&utm_campaign=buffer Es hat sich herausgestellt, dass es nebst den für mich in erster Linie ethischen, aber auch gesundheitlichen und ökologischen Gründen, mir persönlich vor allem SPASS macht, Neues zu entdecken und meinen Gästen aufzutischen. Bis jetzt sind alle immer wieder gekommen 😉 Und ohne was kannst DU nicht leben???