Hochmut kommt nach dem Fall

In diesem Fall meine ich den Hochmut der Medien und deren Publikum, das sich in medientauglichem Entsetzen äussert. Wer frei von Sünde ist, werfe den ersten Stein…

Meine Gedanken zum Rücktritt von Nationalrat Jonas Fricker:

Das Entsetzen über Frickers Sätze zeugt von der Ignoranz der grossen Mehrheit: Seine Absicht, auf das Leiden der Nutztiere hinzuweisen, wird nicht gewürdigt, die Aussage wird diametral verdreht, und sie wird politisch missbraucht. So gesehen wird den betroffenen Tieren ein denkbar schlechter Dienst erwiesen.
Wenn wir unfähig sind, zu erkennen, dass Menschen nicht die einzigen leidensfähigen Lebewesen auf dieser Welt sind und wenn stets die Schuld der Anderen grösser ist als die eigene, dann haben wir versagt. Da hat es einer gewagt, öffentlich Empathie für andere Säugetiere zu zeigen. Tiere sind nicht für uns da, sondern mit uns da. Das Weltbild des Menschen als Krone der Schöpfung hat ausgedient und ist nicht erst seit Klimaerwärmung und Überbevölkerung erkannt und einer breiten Masse bewusst geworden.
Frickers zweifellos ungeschickte Formulierung hat dazu geführt, dass einmal mehr über das Verbrechen der Tötung von 6 Millionen Menschen im dritten Reich gesprochen wird und er als Politiker für seine Partei untragbar wurde. Historiker Jo Langs Interpretation, dass die Entgleisung zeige, dass da eine Generation mit weniger Sensibilität für die Shoah heranwachse, ist eine sehr anthropozentrische, historische Sichtweise. Die tatsächliche Erklärung für das echte oder geheuchelt medientaugliche Entsetzen über Frickers Sätze liegt im Speziesismus begründet: Menschen mit anderen Tieren zu vergleichen, das gehe gar nicht, das sei der wahre Skandal.
Über die 3 Millionen armen Schweine, die Jahr für Jahr allein in der kleinen Schweiz für unsere „heilige Bratwurst“ in den sicheren Tod gefahren werden, traut sich dafür nun im Parlament eine Zeit lang keiner mehr zu reden.
Die Geschichte sollen wir im Rückspiegel im Blick halten; die breite Sicht müssen wir heute aber – wie Fricker es richtig tut – nach vorne richten. Missbrauch, Entwürdigung und Qual von Tieren zu menschlichen Genusszwecken ist eines der deutlichsten Symptome, dass die Krone der Schöpfung kurz davor steht, ihre Zukunftsfähigkeit zu verspielen.

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4/27 Schlachthof im Keller

Haben Fleischesser eine unbewusst selektive Wahrnehmung – auch „kognitive Dissonanz“ genannt:   https://de.m.wikipedia.org/wiki/Kognitive_Dissonanz – oder belügen sie sich bewusst selber? Anders kann ich die Kontroversen zum Essen von toten Tieren nicht plausibel erklären:

Warum heisst es „Fleisch“ und nicht „tote Tiere“?

Warum ekeln sich die meisten Menschen davor, ein totes Tier anzufassen, haben aber kein Problem, dieses zu essen?

Warum bestätigen die meisten Menschen, selber kein Tier töten zu können, aber dass andere es an ihrer Stelle töten, ist OK? (Was diese „Arbeit“ mit einem macht, lasse ich hier mal weg.)

Warum finden die meisten Fleischesser es abartig, (s)einen Hund zu schlachten und zu essen, aber völlig normal, dies mit dem mindestens ebenso intelligenten Schwein zu tun?

Hund oder Schwein? Weisst du Bescheid? http://pt.slideshare.net/mobile/peta2/hund-oder-schwein

Warum bezeichnen sich also die meisten Menschen als Tierfreunde und essen selektiv einige Arten?

RICHTIG-FALSCH

Konsequenterweise müssten sie sich eher Hundefreunde, Katzenfreunde und Pferdefreuende nennen. Gibt es denn auch Schweinefreunde, Ziegenfreunde oder Kuhfreunde?

Dieses Dilemma wird seit bald hundert Jahren unter anderem mit dem Begriff des Speziesismus erörtert. Dabei wird Speziesismus als Unterdrückungsform mit Parallelen zum Rassismus oder Sexismus unter Menschen gesehen.

Theodor W. Adorno spricht von der Gesellschaft als eine große „Aktiengesellschaft zur Ausbeutung der Natur“, Max Horkheimer von einem „Haus, dessen Keller ein Schlachthof“ ist. 

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Theodor_W._Adorno

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Max_Horkheimer

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Speziesismus

Mein persönlicher 4/27 Gründen, vegan zu leben: Nein, ich will keinen Tier-Friedhof in meinem Magen und auch keinen Schlachthof im Keller meines Hauses!