Schweizer Philosoph erkennt: FLEISCHESSER HABEN EIN UNTERENTWICKELTES BEWUSSTSEIN

Ich weiss, der Titel klingt provokativ und könnte in einer Zeitung mit vielen Bildern auf der Frontseite stehen. Aber lies selber und bilde dir deine Meinung, denn die Meinung der Mehrheit zu haben ist nicht schwer, auch nicht immer hilfreich oder nützlich…

Frage: Haben Menschen, die über 70 Kilogramm Fleisch pro Jahr verzehren, ein unterentwickeltes Bewusstsein?

Antwort: „Ja. Viele Leute denken, dass man so etwas nicht sagen darf, weil man Leute vor den Kopf stösst, sich ein Urteil über sie erlaubt, sich für etwas Besseres hält, in private und persönliche Einstellungen eingreift und was dergleichen Phrasen mehr sind.
Aber es ist nun einmal so: der durchschnittlich Fleischverzehr bei uns erzeugt grauenhaftes Tierleid, schadet der Umwelt und der Gesundheit, vergeudet Ressourcen in Drittweltländern und sorgt für globale Ungerechtigkeit. Dabei werfen wir noch einen erklecklichen Teil unserer Lebensmittel weg.
Wir haben jedoch Alternativen zum Fleisch, wir brauchen es nicht. Das alles könnte man wissen und man könnte sein Verhalten ziemlich einfach ändern.

Man könnte sich nur schon sagen: Einmal in der Woche Fleisch, wie früher der Sonntagsbraten, und zwar gutes Fleisch, zum Beispiel Rindfleisch, nicht Fisch, Huhn oder Schwein, die man gedankenlos aus dem Meer zerrt beziehungsweise absichtsvoll zusammenpfercht, nicht günstiges Fleisch aus deutschen Akkordschlachthöfen, weil der Euro gerade günstig steht.“

Fleischverzehr ist auch nicht privat. Wenn man durch den Konsum mithilft, massive Schäden an Tieren, Umwelt, Gesundheit und Gerechtigkeit anzurichten, so geht das alle an. Wenn Fleisch in Kantinen, wenn Fleischwerbung und Fleischproduktion vom Bund subventioniert werden, geht es ebenfalls alle an. Wenn man davon lieber nichts wissen und wenn man sein Verhalten lieber nicht ändern will, dann ist das mangelndes Bewusstsein und sogar mangelnde Gutwilligkeit.“

Markus Wild, Prof. für Theoretische Philosophie an der Universität Basel

(Quelle: Programmheft, 8. Bieler Philosophietage, Das Tier und wir, 12. bis 15. November 2015, Referenten-Interviews)

Mehr zu Markus Wild:

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Markus_Wild

http://www.srf.ch/play/tv/aeschbacher/video/markus-wild?id=19eed664-9e08-415b-81ab-dd54f4022351

Foto: Bieler Tagblatt

Foto: Bieler Tagblatt

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WAS MICH GRAD SEHR BESCHÄFTIGT…

Ich muss nicht allen gefallen. 

Ich kann es nicht allen recht machen. 

Ich will einfach mir selber treu sein.

Gut, der letzte Eintrag https://hastdubistdu.wordpress.com/2014/06/16/euch-wird-das-lachen-noch-vergehn/
war ein Rundumschlag meiner persönlichen Ansicht. Ich habe dafür Kritik entgegen genommen von Menschen, die mir sehr nahe stehen und mir sehr am Herzen liegen.
Einige Beispiele:
„Am Anfang hat mir dein Blog besser gefallen.“
„Es wird/wirkt jetzt so esoterisch.“
„Du hast den Tunnelblick.“
„Dein Text ist belehrend.“
„Du radikalisierst dich.“

Mit Ausnahme des ersten Satzes, der das persönliche Empfinden der Person darstellt, sind es Interpretationen oder Unterstellungen.

Ich hab zuerst reagiert so in der Art: Na gut, jetzt hab ich’s vielleicht übertrieben. Wahrscheinlich hab ich den Sinn für die Realität verloren und drifte aus der echten Welt ab. Ich hab mich sogar schuldig gefühlt, den Menschen, die ich liebe, das Lesen solcher Beiträge zuzumuten.
Gerade als ich mich so ziemlich beschissen fühlte und nahe dran war, den Beitrag zu entfernen, kam ne Mail rein von einer Freundin mit der Rückmeldung: „Dein letzter Eintrag ist super! Wenn ich noch mehr lese, dann werde ich wohl bald kein Fleisch mehr kaufen können, nicht mal für meine Familie.“

Was ist schlecht oder falsch daran, andere zum Nachdenken, allenfalls Umdenken und entsprechender Anpassung des Handelns zu bringen? Ein Handeln, das grundsätzlich weniger Leid verursacht.

Die „Täter-Opfer“-Optik wird gerne zum eigenen Vorteil angepasst: Wenn in diesem konkreten Fall eine Veganerin Missstände aufzeigt, die mit anderem Konsum-Verhalten reduziert oder aufgehoben werden könnten, fühlen sich Fleischesser als Opfer. Die Täter greifen hier die Gewohnheiten der Fleischesser an oder stellen sie zumindest in Frage.

Ich wurde nicht als Veganerin geboren. Ich war 35 Jahre Vegetarierin und konnte mir im Leben nicht vorstellen, auf Milchprodukte zu verzichten. Ich hatte sogar das gleiche Argument wie die Fleischesser: „Es schmeckt mir so gut!“
Vor etwa 3 Monaten hat mich ein gewaltloser, unblutiger kleiner Film aufgerüttelt. Seither versuche ich, vegan zu leben. Das bedeutet nicht, dass ich mit Fleischessern oder Vegetariern nicht befreundet sein kann. Ich weiss selber, wie schwierig es ist, die innere Ordnung zu durchbrechen. Als es aber mal „klick“ gemacht hat, war die äussere Anpassung durch entsprechendes Handeln leicht, weil ich dann gar nicht mehr mit dem „Ego“ denken konnte, sondern nur noch mit Mitgefühl. Das Angebot und die Möglichkeiten sind riesig. Und es macht Spass!

Ich hab meine eigene Fehlbarkeit beleuchtet und sogar meine Meinung hinterfragt. Ich dachte wieder mal „na ja, vielleicht liege ich wirklich falsch…“
Ich habe noch drei weitere mir liebe Menschen gebeten, den letzten Eintrag kritisch zu lesen und mir eine ehrliche Rückmeldung zu geben, wie der Text rüberkommt.

2 Antworten: (von 2 Fleischesserinnen – die Antwort eines fast-Vegetariers ist noch ausstehend)

„Uff… Wenn ich ehrlich bin, ist es besserwisserisch, in dem Sinn, dass wir dies alles wissen – wir wissen (auch nicht alle), dass du mit allem Recht hast! Ich denke, jeder muss dies für sich selber entscheiden, daher ist dein Blog ein Angriff auf das Ego der Leute. Aber es rüttelt auf. Und das finde ich hingegen genial.“

„Ich finde es weder belehrend noch arrogant noch esoterisch, sondern einfach deine Meinung. Und wenn man nur ein wenig Mitgefühl hat, geht es einem zu Herzen! Alles ändern ist vielleicht für viele schwierig, doch es regt zum Überlegen an und zum Handeln, so gut es jedem Einzelnen möglich ist. Evtl. erscheint es Leuten, die ein Tier als minderwertiges Geschöpf betrachten, überheblich, das kann sein.“

Das ist gut. Ich möchte an dieser Stelle allen nochmals danken für die Kritik, die positive und die negative. Sie hilft mir letztlich, meine Argumente und Anliegen noch deutlicher zum Ausdruck zu bringen. Ich setze mich für Tierrechte und Tierbefreiung ein. Und ja: da bin ich ziemlich kompromisslos.

Ich muss nicht allen gefallen.
Ich kann es nicht allen recht machen.
Ich will einfach mir selber treu sein.

Und ich will gar nicht, dass du dasselbe denkst wie ich.

Ich würde  mir nur wünschen, DASS du SELBER denkst.

Wird uns das Lachen noch vergehn? (reload mit update)

Update 28.06.2014:
Die Erklärung für den Original-Titel „Euch wird das Lachen noch vergehn“ kommt in diesem Post erst gegen Ende des Textes, bei dem Eisbären-Cartoon. Das haben offenbar nicht alle durchgehalten und alleine schon wegen des Titels nicht weiter gelesen. Somit ist natürlich das Ziel verfehlt.
Mein liebster Kritiker hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass dieser Titel auf ihn belehrend wirke. Ich nehme konstruktive Kritik sehr ernst, denn ich kann daraus lernen. Den Titel habe ich nicht angepasst, um meinem Kritiker zu gefallen, sondern aus 2 Gründen:
1. Belehrend möchte ich nicht sein
2. Bei näherer Betrachtung – oder eher: jetzt aus der Distanz betrachtet – empfinde ich den Satz eher als Drohung. Und drohen möchte ich auch nicht.
Der folgende Text will nicht besser wissen, nicht belehren und nicht missionieren. Mit Esoterik habe ich nichts am Hut. Dies sind alles konkrete Kritikpunkte, die angebracht wurden und zweifellos weiter angebracht werden, wenn ich meine Meinung äussere. Deshalb habe ich diese einleitenden Zeilen geschrieben. Es ist meine persönliche Sicht der Dinge, meine Erfahrungen in Diskussionen und die Konsequenzen, die ich daraus ziehe.

Tierschützer haben nichts zu lachen. Sie werden täglich mit dem unendlichen Leid der Tiere konfrontiert und müssen aufpassen, dass sie nicht vor lauter Frust irgendwann nur noch deprimiert und ausgebrannt vor der Glotze hocken und mit Bier und Wurst die WM begrölen.
Oder nur noch wütend und daher unsachlich argumentieren. Ich finde meine Wut legitim und verständlich, da ich mich immer wieder mit der Gleichgültigkeit vieler Menschen dem Tierleid gegenüber abfinden muss.
Vegetarier haben noch weniger zu lachen.
Und Veganerinnen haben gar keinen Spass am Leben. Was essen die eigentlich noch?
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Heute schreibe ich zum ersten Mal auf diesem Blog in der „wir“- Form. Damit meine ich jetzt „uns“ Tierschützer. Oder meine ich „uns“ Vegetarier? Oder sogar „uns“ Veganer? Das weiss ich jetzt selber nicht so genau. Die Veganer lass ich mal beiseite, die sind extrem.
Zurück zu den Tierschützern.
Ist ein Tierschützer automatisch einer, der auf Fleisch verzichtet? Oder streichelt die rechte Hand den Hund, während die linke eine Gabel Fleisch von einem anderen Tier in den Mund schiebt?
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Das war jetzt ein typischer Vegetarier-Satz. Natürlich ohne Fleisch auf der Gabel. Denn die Fleischesser haben ja eh beide Hände voll mit dem Besteck zu tun.
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Ich lege mich mit dem „wir“ doch mal auf die extremen Veganerinnen fest, damit sich die Fleischesser unter den Lesenden nicht aus „den Anderen“ ausgeschlossen fühlen, die ja wohl auch viele Tierschützer beinhalten. Denn fast alle Fleischesser sagen, dass sie Tiere lieben und ihnen kein Leid zufügen wollen. Viele von ihnen haben sogar Haustiere.
Obwohl ich zugebe, dass es für mich einen leicht schizophrenen Ansatz hat, wenn die eine Hand den Hund streichelt und die andere das Schwein in den Mund schiebt. Gut, ich will nicht Haare mit dem Messer spalten. Interessant dazu ist aber der Begriff KOGNITIVE DISSONANZ. Warum reagieren Fleischesser oft so komisch den Vegetariern gegenüber? http://de.wikipedia.org/wiki/Kognitive_Dissonanz

Ich esse seit 35 Jahren kein Fleisch mehr, weil ich die Schreie der Tiere im Schlachthof gehört habe. Mein Zimmerausblick zeigte mir jeden Montagmorgen die Schweine- oder Rinderhälften an den Haken.

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Bildquelle: wohlundtoll.com

Nein, ich hab’s nicht IM Schlachthof gesehen, sondern ausserhalb der Tötungshalle. Davon hab ich jetzt aber kein Bild. Ich war ja erst 6 oder 7 und hatte auch kein Smartphone. Damals durften die geschlachteten Tiere noch gezeigt werden, es hat sich kaum einer darüber aufgeregt.
Zum Glück fand meine Mutter, dass die Vitamine eh im Gemüse liegen.

So durfte ich das Fleisch auch mal liegen lassen. Irgendwann hab ich kapiert und wollte die toten Tiere gar nicht mehr essen. Bin ich deswegen extrem?
Wie ein Kind erklärt, warum es Fleisch essen als falsch erachtet, ist in diesem kurzen Film schön zu sehen:
https://www.google.ch/search?q=luiz+antonio+vegetarier&ie=UTF-8&oe=UTF-8&hl=de&client=safari
Eine gewaltfreie Welt ist eine Idealvision. Dort Gewalt zu mindern und zu verhindern, wo ich Einfluss nehmen kann, will ich es auch tun. Gewaltfrei bedeutet für mich auch, dass keine Tiere für menschliche Gaumenfreuden getötet oder ausgebeutet werden.
Was tot auf dem Teller liegt, kann ja, zum Glück für die Tiere, auch nicht mehr gequält werden.
Mit Ausnahme von gewissen perversen Praktiken, bei denen das Hirn von noch lebenden Schafen oder Affen gegessen wird. Aber das geschieht nur in diesen unterentwickelten Ländern, wo sie eh alles essen, was sich bewegt. Affen, Hunde, Katzen und Meerschweinchen essen? Wäääh!! Hühner, Kühe, Kaninchen und Schweine, jaaa!

Anständig essen, Karen Duve

Anständig essen, Karen Duve

Tiere sollen lebend im Schlachthof ankommen. Verendete Tiere sind nämlich vom Verzehr ausgeschlossen. Das wird auch kontrolliert. Die Veterinärmedizin-Studentin im Praktikum stellt z.B. fest, wie viele Schweine schon während dem Transport zum Schlachthof an Kreislaufversagen oder Verdursten verendet sind. Dazu gibt es hier den Bericht einer deutschen Medizinstudentin zu lesen. Sie gab der Albert Schweitzer Stiftung nach ihrem obligatorischen Praktikum im Schlachthof ein Interview:

Interview zum Schlachthof-Praktikum

Fürs Töten der Tiere wird auch einer bezahlt, zwar meist schlecht und unter miserablen Arbeitsbedingungen. Der muss töten im Akkord – weshalb nach unterschiedlichen Schätzungen und Statistiken 2-10% der Schlachttiere nicht richtig betäubt sind und bei vollem Bewusstsein aufgeschnitten werden. Immerhin sind also 90-98% der Tiere ordentlich betäubt. In welcher Kategorie das Schnitzel auf dem Teller war, ist nicht mehr eruierbar.
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Viele halten es irgendwann nicht mehr aus. Andere halten länger durch, sind oder werden Alkoholiker und behandeln dann die Tiere wie Dreck.
Anstatt hier den Bericht eines Schlachters zu verlinken, der von diesen Horrorszenarien berichtet, die dann eh die meisten als übertrieben abtun (siehe oben unter „kognitive Dissonanz“) hier der Bericht eines Metzgers, der aus ethischen Gründen Veganer geworden ist:
http://www.berliner-kurier.de/brandenburg/brandenburger-metzger-legt-sein-beil-nieder-gesinnungswechsel-bei-fleischer—jetzt-isst-er-nur-noch-vegan,7169130,16576984.html

Allein in der Schweiz werden täglich 150’000 Tiere geschlachtet. Das deckt den Fleischhunger nicht. Ein Viertel wird zusätzlich importiert.

Die ungeborenen Kälbchen sind jetzt aber noch nicht mitgezählt. Die sterben als Abfall, weil oft nicht bemerkt wird, dass geschlachtete Muttertiere trächtig sind. In der Schweiz ist das laut neusten Angaben in der Berufszeitung „Schweizer Bauer“ bei immerhin 6% der Kühe der Fall.

http://www.schweizerbauer.ch/tiere/milchvieh/6-prozent-der-schlachtkuehe-traechtig–16651.html
http://www.ndr.de/nachrichten/Leidvoll-Das-Schlachten-traechtiger-Kuehe,kaelber113.html

Das wären pro Jahr bei ca. 400’000 geschlachteten Kühen etwa 24’000 Föten, die ersticken und im Müll landen.

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Quelle: ndr.de Nachrichten

Oder vielleicht im Hundefutter? Oder etwa in einer Wurst? So genau wollen das die meisten eh nicht wissen. Also ich weiss es jedenfalls nicht. Ich esse das ja auch nicht. Also kann es mir egal sein. Ist es aber nicht.

Das ist der Punkt, der viele Fleischesserinnen stört und bisweilen aggressiv macht: Dass es „uns“ nicht egal ist, was auf dem Teller „der Anderen“ liegt. Ist doch ihre Sache, oder?

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Weltweit sind es 1000 Tiere pro Sekunde, die für Nahrung geschlachtet werden.
Täglich sterben bis zu 40’000 Kinder an den Folgen von Unterernährung.
Fleischproduktion hat den höchsten Anteil an Landbedarf und verursacht 60% des CO2-Ausstosses.
50% der Getreideernte und 90% der Sojaernte wird für die Fleischproduktion verwendet.
Das bedeutet, dass die Landwirtschaft mehr Nahrung vernichtet als dass sie produziert.
Ist es wirklich jeder Manns und jeder Frau Sache, ob und wie viel Fleisch er oder sie isst?

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https://nachhaltigkeit.unibas.ch/projekte/verpflegung/ernaehrung-und-klima/

Gestern Routine-Kontrolle beim Gynäkologen.
Er: Und, wie geht’s?
Ich: Sehr gut… ernähre mich ja auch gesund… (…) esse kein Fleisch…
Er: Das ist sehr gut. Fleisch ist gut für die Krebszellen… (…)
Mein Gynäkologe isst selber Fleisch. Und das hat er wirklich genauso gesagt.
http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/brustkrebs-rotes-fleisch-kann-risiko-erhoehen-a-974284.html
Diese Aussage darf also als neutral gewertet werden, was bei Tierschützern (oder Veganerinnen?) ja oft nicht der Fall ist, weil die immer gleich so emotional und missionarisch werden. („Vegansein ist sowas wie eine Ersatzreligion.“)
Es erscheint regelmässig in wissenschaftlichen Untersuchungen. Die Zusammenhänge von Volkskrankheiten und Fleischkonsum sind an sich bekannt. Sie werden weiter verdrängt und beschönigt. Also von den anderen, den Fleischessern. Gibt es übergewichtige Vegetarier oder Veganerinnen?

Tierschützer nerven. Sie posten blutige Bilder und erzählen von Grausamkeiten, die an gewisse dunkle Kapitel aus der Geschichte erinnern.
Deshalb werde ich jetzt über was anderes berichten.
Hast du als Baby die Milch von deiner Mutter getrunken?
Wenn ja, warum? Doofe Frage, oder? Genau, du hast deine Muttermilch getrunken.
Warum eigentlich nicht Milch von einem Hund oder einem Schwein oder einer Giraffe?
Hä??? Eeehm… also weil die Milch von der Giraffenmutter nur für die Giraffenbabys ist…?
Warum also sollten Menschen Kuhmilch trinken?
Eine ganzheitliche Sicht wäre hier wünschenswert und hilfreich fürs Verständnis.

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Für jeweils etwa 5000 Liter Kuhmilch wird ein Kalb neu geboren, das in den meisten Fällen sofort oder nach ein paar Stunden oder im besten Fall nach wenigen Wochen von der Mutter getrennt wird. Ist es männlich, ist es für die Milchproduktion überflüssig und landet nach wenigen Monaten beim Schlachter.
Wenn das Tier Pech hat, wird es vorher noch Stunden lang durch Europa gekarrt und muss noch lebend (wegen den EU-Subventionen) am Zielort abgeladen werden. Wenn das Leiden so kurz wäre wie in dem lustigen 6-Sekunden-Cartoon, wäre das ja noch was anderes…

Ist es ein weibliches Kalb, wird es wie seine Mutter in den Kreislauf der Milchproduktion eingeführt.

Immer wieder schauen mich Bekannte und Freunde mit grossen, fragenden Augen an, wenn ich sie mit dieser Tatsache konfrontiere und die einfache Frage stelle: „Warum gibt eine Kuh Milch?“.
Ich bekomme tatsächlich Antworten wie „weil es eine Milchkuh ist“ oder „ja, die Kuh gibt einfach Milch“.
Kühe geben nicht „einfach so“ ihre Milch.
Durch die Naturentfremdung der Menschen ist den meisten der Zusammenhang der Kuhmilch zu Schwangerschaft und Geburt nicht mehr präsent.
Kühe sind Säugetiere. Sie geben Muttermilch für ihre Kinder, die Kälber. Will der Mensch die Milch und das Kalbfleisch gewinnen, muss er also nicht nur die Kühe erst schwängern, sondern ihnen auch ihre Kinder wegnehmen. Auch die tollsten Biobauernhöfe müssen sich diesem Faktum des Lebens stellen.
Der folgende kurze Film hat mich vor etwa 3 Monaten veranlasst, künftig weitgehend auf Milchprodukte zu verzichten. Es ist darin zu sehen, wie ein Kalb von seiner Mutter getrennt wird. Da gibt es kein Blut, keine offensichtliche Gewalt, keine Brutalität. Es ist der ganz „normale“ alltägliche Ablauf in der Milchwirtschaft.
Eine Kuh hat übrigens eine natürliche Lebenserwartung von etwa 30 Jahren.

Die Mehrheit der Menschen in Asien hat bekanntlich eine Laktoseintoleranz.
http://de.wikipedia.org/wiki/Laktoseintoleranz
Was heisst das? Dass sich die Menschen in der westlichen Welt einfach an die Kuhmilch gewöhnt haben. Es ist eine relativ junge genetische Mutation. Ist es deswegen normal, nützlich und natürlich, weiterhin Kuhmilch zu trinken???

Veganer essen nicht mal Hühner, die sind also sogar gut zu Vögeln. Das ist doch was Gutes. Make Love, not War!
„Die Anderen“ finden „uns“ Veganer extrem. Ich finde vegan sein normal und Kuhmilch trinken extrem.
Was sich Veganer alles sagen lassen „müssen“, ist normalerweise extrem. Und das ist extrem normal.
Das Normalste ist die Frage: „Ja, was kannst du denn dann noch essen?“ Warum wollen das die Fleischesser eigentlich wissen?
Ich habe manchmal den Eindruck, sie erwarten die Antwort: „Na, nur noch Körner“, um sich zu vergewissern, dass Veganer exotische Spinner sind.
Wer das meint, kann mal ein veganes Kochbuch zur Hand nehmen. Zum Beispiel: La Veganista von Nicole Just
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Super lecker!
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Super hübsch!

Ein überzeugter Fleischesser, der sich nichts verbieten lassen will, konfrontierte kürzlich die Gruppe „Für die Schliessung aller Schlachthäuser im Kanton Bern“ (ja, diese Gruppe gibt es wirklich und sie organisiert eine Demo am 12.07.2014) mit der Kritik, sie sollten doch bitte zuerst mal im Ausland diese widerlichen Tierquäler bekämpfen.
Ich will niemandem etwas unterstellen, aber wenn Leute immer zuerst auf die Fehler der Ausländer schauen, kommt mir ein leiser Verdacht…

Mir wurde auch schon unterstellt, ich verzichte unter dem „Deckmantel des Tierschutzes“ auf tierliche Produkte, aber eigentlich ginge es mir nur um Selbstverwirklichung.

Wenn du als mir gewogene Leserin, als mir gewogener Leser, nun nach dieser Lektüre über deinen Tellerrand hinaus zu denken wagst, bin ich von Herzen glücklich über meine Selbstverwirklichung, weil auch sie auf dem Weg zu einer gewaltfreien Welt und weniger Leid einen kleinen Schritt beitragen kann.

Nun werde ich mal ne Zeit lang Blog-Pause machen und in meiner freien Zeit neue Rezepte ausprobieren…
Das vegane Tirami-su hat jedenfalls gestern seine Premiere mit Erfolg bestanden und wurde bis zum letzten Löffel ausgeputzt.
Und: Nein, niemand hat bemerkt, dass es vegan war…

Fleisch essen – Teil 1: Ist es normal?

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WARUM SOLL ES NICHT NORMAL SEIN, FLEISCH ZU ESSEN?

Weil es eine freie Entscheidung ist. Menschen, die kein Fleisch essen, werden als „Vegetarier“ bezeichnet und müssen sich rechtfertigen. Derjenige, der Fleisch isst, hat jedoch keinen Namen und muss sich auch nicht rechtfertigen. Vielen Menschen ist nicht einmal bewusst, dass sie eine freie Entscheidung treffen, wenn sie Fleisch essen.

(Auszug aus einem Interview von Sebastian Meyer mit Melanie Joy, imageAutorin des Buchs „Warum wir Hunde lieben, Schweine essen und Kühe anziehen“, erschienen in der Süddeutschen Zeitung vom 21.02.2013)
Das ganze Interview gibt’s hier zu lesen: http://www.sueddeutsche.de/leben/psychologie-des-fleischkonsums-warum-wir-rinder-aber-keine-hunde-essen-1.1605821
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Hast du noch Fleisch auf dem Teller oder isst du schon Tiere?

Der Schweizer Nationalliga A-Eishockey-Profi Andreas Hänni erklärt, warum er keine Tiere isst. Ohne Sentimentalitäten, mit aktuellen Bildern aus der Schweiz und umliegenden Ländern, aus denen wir Fleisch importieren.
Der Film hat mich sehr berührt und ich möchte Andreas Hänni meinen Dank für seinen Einsatz und seinen Mut aussprechen, die Dinge beim Namen zu nennen!

Nach dem Sichten dieses Films ist es mir nun ein Anliegen, wieder einmal ausführlich meine Gedanken zum Thema Fleisch essen auszudrücken.
Schweine sind nachweislich intelligenter als Hunde. Ich habe selber 2 Hunde, mit denen ich lebe und weiss, wie sie ihre Freude, Angst, Schmerz und Aufregung zeigen. Wenn ich mir vorstelle, dass der Grossteil der Schweine ein armseliges Leben im dunklen Stall verbringen, gequält, vergessen und lieblos entsorgt werden, nur weil sie das falsche Geschlecht haben oder ein paar Gramm zu leicht sind für die Mast, werde ich unendlich traurig und wütend.

Was mich persönlich betrifft, habe ich bereits als 8-Jährige erfahren, woher das Fleisch auf dem Teller kommt: von meinem Kinderzimmer aus habe ich jeweils am Montag Morgen die Schweine schreien gehört, wenn sie vom Bauern angeliefert wurden – ich wohnte direkt neben dem Schlachthof. Wenn ich um halb acht zur Schule ging, hingen die Schweine schon halbiert an den Haken an der Schiene…
Warum heisst es eigentlich „Fleisch“ auf dem Teller und nicht „Tier“? Beim Fisch heisst es doch auch einfach Fisch, beim Gemüse Gemüse usw.
Warum nennen wir es nicht beim Namen?
Wenn ich ein Kind frage, was es essen möchte und ihm ein Kaninchen und einen Apfel auf dem Teller zur Auswahl gebe, wird es sich für den Apfel entscheiden. Warum? Weil es die natürliche Empathie noch nicht verloren hat, die uns Erwachsenen abhanden gekommen ist, die wir so sehr von der Natur entfremdet sind.
Ich bin nicht grundsätzlich gegen das Fleisch essen, auch wenn ich für mich selber definitiv schon vor über 30 Jahren damit abgeschlossen habe und nie wieder Fleisch essen werde.

Es ist aber einfach nicht wahr, dass der Grossteil der Tiere, die für den Schlachthof bestimmt sind, vorher ein gutes Leben hatten. Immer wieder wird von Fleisch-Verteidigern behauptet, dass solche Bilder wie im gezeigten Film die grossen und schlimmen Ausnahmen seien.
Das Gegenteil ist leider immer noch der Fall. Schweine, die sich in der CO2-Vergasung überschlagen, die Wände hochgehen und rasend werden, sind keine Ausnahme, sondern die Regel bei dieser Tötungsmethode.
Die Vorzeige-Halter und Musterhöfe, die es wirklich vorbildlich und möglichst tierfreundlich machen, sind leider in der Minderheit. Warum? Es ist zu teuer!

Es darf doch aber nicht sein, dass der Tod durch Schlachten für ein Tier eine Erlösung von einem qualvollen Leben ist.
Ein Tier hat eine Würde und diese muss der Mensch respektieren. Sonst verliert er selber seine Würde! Die Gesamtmenschheit ist im Begriff, diese Würde abzugeben…