Schwein gehabt – Mensch geworden

Menschen glauben gerne, was sie möchten. Wer nichts weiss, muss halt alles glauben.

Persönlich  hab ich’s nicht so mit dem Glauben und will lieber die Wahrheit wissen.

Aber wie ist es mit einer unbequemen, verstörenden Wahrheit?

Ich sag’s mal so: Viele Menschen finden die Wahrheit einen absoluten Blödsinn, weil sie nicht über den Irrsinn der eigenen Gewohnheiten nachdenken.

Herr und Frau Schweizer glauben gerne, dass Schweizer Schweine ein glückliches Leben führen. Zumindest bis zum Schlachtprozess. Aber dass es auch für BIO-Schweine keinen „Zu-Tode-streicheln-Zoo“ gibt, wollen viele nicht wahr haben. Die Angst, der Stress, die Schmerzen, wenn etwas nicht gut läuft im Schlachtablauf, es ist dasselbe für alle Schweine.

In Deutschland erleben gemäss unterschiedlichen Statistiken zwischen 3-10% aller Schweine das Brühbad, da die Betäubung nicht ausreichend oder das Ausbluten fehlerhaft war. Tiere erleben also mitunter auch bei vollem Bewusstsein ihr eigenes Zerteilen.

http://www.zeit.de/2012/09/Fleisch-Schlachten

Für die Schweiz liegen diesbezüglich keine Zahlen vor.

Zurück vom Sterben zum Leben der Schweizer Schweine. Der Schweizer Tierschutz STS hat 2013 bei Herr und Frau Schweizer eine Umfrage gemacht.

Gerade einmal 17 Prozent der Teilnehmer wussten, dass eine WEICHE LIEGEFÄCHE MIT EINSTREU  in der Schweinehaltung NICHT VORGESCHRIEBEN ist und 23 Prozent wussten Bescheid, dass ein REGELMÄSSIGER AUSLAUF für Schweine NICHT OBLIGATORISCH ist.

1,1 Millionen Schweine in der Schweiz verbringen laut STS ihren Alltag auf Spaltenböden und können NIE AN DIE FRISCHE LUFT.  Das kann doch wohl nicht artgerecht sein, selbst wenn es das Schweizer Gesetz erlaubt! Ein deutscher Schweinezüchter wollte mir zwar weismachen, es sei artgerecht, dass ein Schwein nur am Tag seiner Schlachtung raus kommt…

Facebook-Dialog

Facebook-Dialog

Die Konsumenten vertrauen dem Schweizer Tierschutzgesetz. Und den Labels.  Warum? Ich vermute mal, um mit relativ gutem Gewissen das Schinkensandwich oder das Schnitzel auf dem Teller zu essen, für das das Schwein immerhin sein Leben gegeben hat. Wenn es zumindest ein gutes Leben war, isst es sich mit mehr Genuss.

„Die meisten stellen sich die Tierhaltung in der Schweiz zu gut vor», sagt Hansueli Huber vom STS. Das liege nicht zuletzt an Signeten wie «Suisse Garantie» und» «QM-Schweizer Fleisch», die mit glücklichen Tieren auf saftigen Weiden werben würden. «Dabei garantieren sie nur die gesetzlichen Mindeststandards, die leider keineswegs artgerecht sind.»

image«Suisse Garantie» ist eine Herkunftsbezeichnung, die lediglich garantiert, dass die Schweizer Tierschutzverordnung eingehalten wurde. «QM-Schweizer Fleisch» bedeutet, dass die Bauern Qualitätsmanagement betreiben, also etwa die verabreichten Medikamente in einem Journal festhalten. Gemäss STS ist dies aber «sowieso vorgeschrieben», das Signet deshalb «nicht viel wert“. Den vollständigen Bericht aus der „Tierwelt“ gibt es hier zu lesen:

http://www.tierwelt.ch/?rub=4498&id=37664

Die Schweizer Tierrechts-Organisation TIF – http://www.tier-im-fokus.ch hat im August 2014 ihren Schweine-Report veröffentlicht. Bilder wie diese sind auch und gerade im schönen, ländlichen Kanton Bern keine Ausnahme:

Bild: tier-im-fokus.ch (TIF)

Bild: tier-im-fokus.ch (TIF)

Hier der ganze arme Schweine-Report:

http://www.tier-im-fokus.ch/nutztierhaltung/schweine-report/

Was sind also die Alternativen?

Oft gehörte Aussage von Fleischessern: „Jeder muss das doch für sich entscheiden, was er/sie essen will oder nicht“ – genau. Für meinen Teil habe ich schon vor 35 Jahren entschieden, überhaupt keine Teile mehr von toten Tieren zu essen.  So muss ich nicht glauben, dass da ein glücklich gelebtes Tier auf meinem Teller liegt.

 

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